Mehr Mut. Weniger System.

Nachbericht zum Vernetzungstreffen der Dritten Orte 2025

Am 27. November 2025 fand das diesjährige Vernetzungstreffen der Dritten Orte statt. Eingeladen waren neben den Akteur:innen der Dritten Orte auch Kolleg:innen aus den Erprobungsräumen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) die mit ihren Erfahrungen und Evaluationsergebnissen wertvolle Impulse in die gemeinsame Diskussion einbrachten.

Einleitender Blick auf die Umfrageergebnisse

Zur Vorbereitung des Treffens hatten die Dritten Orte an einer umfangreichen Selbsteinschätzungs-Umfrage teilgenommen. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ im wissenschaftlichen Sinne, aber durchaus aussagekräftig für Stimmung, Erfahrungen und Bedarfe.

Mit Unterstützung von generativer KI (ChatGPT) wurde die Umfrage ausgewertet und zusammengefasst. Es ergibt sich ein guter Einblick in die praktische Arbeit der Akteur:innen in den Dritten Orten. Außerdem wird klar, dass gerade die Selbstwirksamkeit, sowohl auf der Seite der angesprochenen Menschen, aber gerade auch auf der Seite der Akteur:innen einen enormen Stellenwert einnimmt.

Parallelen zwischen Dritten Orten und Erprobungsräumen

Die Auswertung der Umfrage wurde beim Vernetzungstreffen vorgestellt und im Gespräch mit den Evaluationsergebnissen der Erprobungsräume gespiegelt.

In beiden Kontexten zeigte sich:

  • Die Arbeit ist wirksam, beziehungsorientiert und niedrigschwellig – und erreicht Menschen, die in klassischen Gemeindestrukturen kaum vorkommen.
  • Sie schaffen Gemeinschaft ohne Mitgliedschaftslogik.
  • Sie ermöglichen Spiritualität, ohne kirchliche Codes vorauszusetzen.
  • Innovation gelingt, wo Freiheit, Vertrauen und Fehlerfreundlichkeit herrschen.
  • Gleichzeitig tragen die Akteur:innen häufig hohe Belastungen, weil viele Aufgaben „on top“ zu bestehenden Verantwortungen laufen.
  • Und: Sowohl Dritte Orte als auch Erprobungsräume stoßen an strukturelle Grenzen, die mutige Entscheidungen von kirchlicher Leitung verlangen.

Diese Gegenüberstellung erwies sich als außerordentlich aufschlussreich. Sie zeigte:
Kirche an unterschiedlichen Orten kommt zu ähnlichen Erkenntnissen – Transformation wird an den gleichen Stellen notwendig. Es braucht strukturelle und systemische Veränderungen, damit innovative Formen kirchlicher Präsenz nachhaltig wirken können.

Workshops – Vertiefung zentraler Zukunftsfragen

In fünf Workshops (zu Zielgruppen, Wirkung, Zugehörigkeit, Scheitern, spiritueller Kommunikation) wurden zentrale Aspekte der Umfrageergebnisse aufgegriffen und weitergedacht:

Die Teilnehmer:innen diskutierten u. a.:

  • Wie Zugehörigkeit ohne institutionelle Bindung funktioniert.
  • Warum manche Menschen kommen – und andere trotz Offenheit nicht.
  • Welche Bedingungen nötig wären, um Wirkung nachhaltig zu ermöglichen.
  • Wie normal Scheitern in Innovationsprozessen ist .
  • Wie ermöglichen wir Spiritualität, wenn traditionelle Glaubensformen nicht mehr tragen.

Zentrale Sätze aus dem anschließenden Plenum

„Dritte Orte sind nicht verantwortlich dafür, die Kirche zu retten.“
Innovation wird zu oft als Reparaturbetrieb für schrumpfende Gemeinden missverstanden. Doch Dritte Orte sind keine Feuerwehr, sondern Laborräume. Sie können Impulse geben – aber nicht das strukturelle Versäumnis jahrzehntelanger Reformverschleppung kompensieren.

„Wir müssen lernen, Dinge sein zu lassen.“
Kirche kann nicht dauerhaft „on top“ arbeiten. Solange alte Strukturen weiterlaufen und neue Formen zusätzlich erwartet werden, entstehen Überlastung und Stillstand gleichzeitig. Transformation braucht Abschied, Priorisierung und den Mut, Altes loszulassen.

Diese Aussagen markieren einen Haltungswechsel: Weg von impliziten Erwartungen an Dritte Orte als Reparaturbetrieb – hin zu einer gemeinsamen Verantwortung für kirchliche Transformation.

Fazit

Das Vernetzungstreffen 2025 hat deutlich gemacht:
Dritte Orte sind lebendige Experimentierräume, die Menschen verbinden, spirituelle Suchbewegungen ermöglichen und neue Formen kirchlicher Gemeinschaft hervorbringen. Gleichzeitig zeigen ihre Erfahrungen – gestärkt durch die Parallelen zu den Erprobungsräumen – dass Kirche als Ganzes sich strukturell verändern muss, damit diese Orte langfristig tragfähig bleiben.

Dritte Orte verändern Kirche durch neue Haltungen, neue Beziehungen und eine offene, mutige Praxis. Dritte Orte zeigen, wie Kirche morgen aussehen kann – glaubwürdig, dialogisch und nahbar.

Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit, das gemeinsame Lernen – und auf viele weitere Orte, an denen Resonanz, Spiritualität und Gemeinschaft wachsen können.