barrierefrei und inklusiv: „Da kann ja jede*r kommen“

Aktualisiert am 04.09.2020

Bericht zum Berliner Fest der Kirchen am 8. September 2018

„Beim nächsten Mal können wir das barrierefreie Angebot noch weiter ausbauen!“

So lautete eine Erkenntnis bei der Auswertung des Festes im Leitungskreis.

Das Berliner Fest der Kirchen hat am Samstag, 8. September 2018 auf dem Alexanderplatz stattgefunden. Es wurde veranstaltet vom Ökumenischen Rat Berlin Brandenburg (ÖRBB). Zur Vorbereitung und Durchführung der barrierefreien Angebote gab es eine vernetzte inklusive Arbeitsgruppe.

Die inklusiven Angebote hatten ein überaus positives Echo. Jeder Gast des Festes konnte üben, den eigenen Namen zu gebärden oder auch Rollstuhl-Basketball zu spielen. Diese Angebote waren für viele eine völlig neue Erfahrung.

Die Sportgemeinschaft Handicap Berlin e. V. trainiert in Charlottenburg Rolli-Basketball. Mit ihnen zusammen wurde das inklusive Basketballspiel angeboten. Wer wollte, konnte einfach mitspielen. Es standen Sportrollstühle zur Verfügung. Beim Spiel waren die Grenzen zwischen Sportler*innen mit Handicap und Sportler*innen auf zwei Beinen im Rollstuhl aufgehoben. Alle hatten Spaß. Auch die Zuschauenden.

Eine Besucherin sagte nach der Selbsterfahrung mit einer Simulations-Brille: „Wenn es mir nicht gut geht, setze ich so eine Brille auf. Nach dem Absetzen dieser Brille weiß ich wieder, wie gut es mir doch geht.“ Diese Brillen konnten am Informations- und Servicestand ausprobiert werden. Die Besucherin erzählte von einer Erfahrung in ihrer Gemeinde. Dort werden Liedblätter häufig zu klein gedruckt und sind für viele kaum lesbar. Im Gespräch wurde die Idee entwickelt, dem verantwortlichen Mitarbeiter eine Simulations-Brille zur Selbsterfahrung mitzunehmen. Sicher ein schönes Beispiel für weitere Gemeinden …

Mitarbeiter*innen des Pastor-Braune-Hauses boten eine Kreativ-Aktion an. Mit Farben und Glitzer konnte jede*r ein Papier gestalten, das dann laminiert wurde. So entstanden prächtige, bunte, zauberhafte Kunstwerke, die von den Künstler*innen mitgenommen werden konnten.

Der Service-Stand bot Hörverstärker zum Verleih, Gebärden-Dolmetscherinnen und Begleitdienst zum Gang übers Fest.

„Inklusion ist Begegnung“ sagte Christian Huge im Interview auf der Bühne. Mit seinem E-Rolli kam er über eine Rampe auf die Bühne. Die Rampe war nicht ganz barrierefrei, denn es fehlten die Seitenbegrenzungen. Aber es hat funktioniert. Christian Huge ist als Projektmitarbeiter in der inklusiven Arbeitsgruppe tätig gewesen. „Begegnung kann immer ein Anfang sein.“ Und so sollte auf dem Fest Raum und Gelegenheit zur Begegnung verschiedener Menschen geschaffen werden. Unterschiedliche Herkunft, Prägung, Fähigkeiten, Talente und Ideen können gegenseitig bereichern.

An diesem Tag hätte getreu dem Motto, wirklich „jede*r kommen können“.

Christian Huge, Ute Lingner

Ziel

Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen und Behinderungen, aber auch mit besonderen Begabungen und Fähigkeiten sind beim Berliner Fest der Kirchen aktiv mit dabei. Sie erleben sich selbst als Bereicherung des Festes, und werden von anderen als Bereicherung erlebt.

Was wir planen: Beim Berliner Fest der Kirchen gibt es ein „Zentrum barrierefrei“ (die Bezeichnung stammt vom Evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin):

  • Von Menschen mit und ohne Handicap aktiv gestaltet
  • Erholung, Betreuung, Beratung für Menschen mit Handicap
  • Kreative und informative Angebote zu allen Dimensionen von Barrierefreiheit für alle
  • Treffpunkt für engagierte und interessierte Menschen

Für alle weiteren Programmangebote wollen wir soweit wie möglich erreichen:

  • Die Angebote sind barrierefrei für alle zugänglich.
  • Menschen mit Handicaps werden in die aktive Gestaltung dieser Angebote „auf Augenhöhe“ einbezogen.

Wir brauchen Brückenbauer*innen: Menschen, die das Berliner Fest der Kirchen unter Menschen mit Handicaps bekannt machen und für eine aktive Teilnahme werben. Und die uns mit ihrem Sachverstand bei den jeweiligen Planungen begleiten, damit diese Teilnahme für alle eine gute Erfahrung werden kann. Wir brauchen Mitmacher*innen: Einzelpersonen und Gruppen von Menschen, die bei der Vorbereitung und Durchführung einzelner Angebote und Veranstaltungen mit dabei sind. Wir brauchen Planer_innen, die sich an der Entwicklung und Steuerung des gesamten Projekts beteiligen.

Kontakt

Ute Lingner, Telefon +49 30 3191 286, u.lingner@akd-ekbo.de

Übrigens: Wir hoffen, dass andere von unseren Erfahrungen beim Berliner Fest der Kirchen profitieren (so wie wir mit unserem Projekt an den guten Erfahrungen vom Kirchentag anknüpfen). Deswegen werden wir unser Vorhaben entsprechend auswerten und dokumentieren.