Konfirmationsgottesdienst feiern in Zeiten der Coronakrise

In vielen Gemeinden wurde der Konfirmationstermin aus guten Gründen verschoben. Noch ist unklar, wie die Entwicklung im Herbst sein wird. Gibt es eine zweite Infektionswelle? Welche Hygienerichtlinien werden nach den Ferien gelten?

Die rechtlichen Reglungen erlauben wieder Präsenzgottesdienste unter Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften. Damit sind auch Konfirmationen vor, in und nach den Sommerferien nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Am Ende entscheidet der Gemeindekirchenrat vor Ort. Alle Entscheidungen sollten mit den Konfirmand*innen und ihren Familien gemeinsam beraten werden.

Aus diesem Grunde fragen Gemeinden danach, welche kleineren Formate für Konfirmationsfeiern im Rahmen der Schutzbestimmungen denkbar sind.

Der Überblick soll helfen, sich in der Gemeinde vor Ort zu orientieren.

Alle hier vorgestellten Ansätze haben Stärken und Schwächen. Zur besseren Einordnung gilt es, sich noch einmal die Aspekte der Konfirmation in Erinnerung zu rufen, die nicht alle gleichermaßen bei den möglichen Formen vorkommen:

  • Konfirmation ist ein Segensakt: Gott steht zu dem Jugendlichen – uneingeschränkt, wie schon bei der Taufe. (Segensaspekt)
  • Konfirmation ist Tauferinnerung und damit die Bestätigung von Gottes Ja zu uns. (Taufaspekt)
  • Konfirmation ist das Zustimmen des Jugendlichen zu dem Ja Gottes zu ihm. (Bekenntnisakt)
  • Konfirmation ist die Stärkung des Mündigwerdens und selbstbestimmt Handelns der Jugendlichen. (Subjektaspekt)
  • Konfirmation ist die Verbindung zur Gemeinde und Kirche. (Ekklesiologischer Aspekt)
  • Konfirmation ist ein Familien- und Freundesfest. (Familienaspekt)
  • Konfirmation ist die seelsorgerliche Begleitung der Jugendlichen und Familien. (Seelsorgeaspekt)
  • Konfirmation ist der letzte Teil eines langen intensiven gruppendynamischen Weges. (Gruppenaspekt)

1. Konfirmation wie gewohnt nur aufgeschoben

Der Konfirmationsgottesdienst wird ein halbes oder ganzes Jahr später gefeiert.

Vorteil: Die meisten Aspekte der Konfirmation kommen in der Gemeinde üblichen Mischung zum Tragen.

Nachteil: Wie sollen sie so lange begleitet und die Gruppendynamik aufrechterhalten werden? Die Gruppe sollte dann analog oder digital bis zur Konfirmation weiter begleitet werden, was durchaus eine organisatorische Herausforderung sein kann. Ob eine Konfirmation in der bisher vertrauten Form in einem Jahr möglich ist, bliebt zum jetzigen Zeitpunkt fraglich.

2. Konfirmation in Kleingruppen nach den jeweils aktuellen Hygienebestimmungen

Der Konfirmationsgottesdienst findet in Kleingruppen statt. Alle Schutzbestimmungen werden eingehalten. Die Gästezahl ist ggf. deutlich reduziert. Beim Segensakt kommen die Jugendlichen nach vorne. Die Handauflegung bei der Segenshandlung kann auch von Familienangehörigen, oder Paten gemacht werden.

Vorteil: Die Konfirmation kann zeitnah terminiert und verlässlich gefeiert werden. Fast alle Aspekte kommen hier zum Tragen. Vor allem der Segensaspekt kann – da er anders als gewohnt gestaltet werden muss – besonders ausgestaltet werden (s. U.)

Nachteil: Die Konfis feiern weder als Gesamtgruppe noch mit ihrer ganzen Familie.

Ergänzung/Alternativen: Hier wäre eine digitale Unterstützung und Begleitung des Gottesdienstevents möglich: Einerseits kann sich die ganze Familie durch ein Livevideo zuschalten. Andererseits könnte aus den vielen Einzelsegnungen, die digital als Filme festgehalten werden, ein guter Kurzclip mit und für alle Konfis entstehen.

3. Konfirmation als Familienfest

Der Gottesdienst wird in einer Kurzform mit jedem*r Konfirmand*in und seiner/ihrer Familie separat gefeiert. Bei der Ausgestaltung sind verschiedene Möglichkeiten denkbar:
Alle Gottesdienste an einem oder zwei Wochenenden getaktet in der Kirche.
Alle Gottesdienste mit individueller Terminverabredung innerhalb eines überschaubaren Zeitraums in der Kirche.

Alle Gottesdienste klar getaktet im Haus/Garten der Familie. (NDR-Sendung: Schleswig-Holstein Magazin | 01.06.2020)

Vorteil: Die Termine können verlässlich abgesprochen werden und die Konfirmation wird kurzfristig möglich sein. Es kann ein sehr individueller Gottesdienst entstehen.

Nachteil: Die Gruppe wird leider zerteilt in Einzelne. Es gibt kein Gruppenerlebnis und -ereignis mehr. Bei der Form in Haus/Garten der Familie wird auch der Gemeindebezug schwächer.

Ergänzung/Alternativen: Hier sollte auf jeden Fall von Anfang an ein Nachtreffen für die ganze Gruppe mit geplant werden. Auch könnte aus den vielen Einzelsegnungen, die digital als Filme festgehalten werden, ein guter Kurzclip mit und für alle Konfis entstehen.

4. Konfirmation als Einzelkasualie

Wenn sich Eltern melden, weil sich die Konfirmation aus ihrer Sicht nicht verschieben lässt, kann das gewichtige Gründe haben: z. B. reisen Paten aus anderen Ländern an, die Konfirmand*innen sollen im Anschluss ein Paten-Amt Übernehmen oder die Familie zieht weg. In diesen Fällen wäre durch den Gemeindekirchenrat zu klären, ob eine Konfirmationsfeier zu Hause denkbar ist.

Vorteil: Die Gemeinde kommt der Familie in ihrer besonderen Situation entgegen (Familien-, Seelsorgeaspekt)

Nachteil: Der Gruppenbezug geht verloren.

Ergänzung/Alternativen: Die Gruppe gestaltet mit dem/der Jugendlichen, wenn dies wieder möglich ist, ein besonderes Erinnerungsgeschenk.

5. Konfirmation als Stationengottesdienst

Die Konfis durchlaufen die folgenden fünf Stationen mit ihren Familien im 15-Minuten-Takt. Die Wege sind so geplant, dass sie sich nicht kreuzen.
Teamer begleiten die Familien auf ihrem Weg oder betreuen die einzelnen Stationen immer unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Die einzelnen Stationen haben Themen, die dem Konfirmationsgottesdienst entsprechen.

Vorteil: Die Termine können verlässlich abgesprochen werden und die Konfirmation wird kurzfristig möglich sein. Es kann ein sehr individueller Gottesdienst entstehen.

Nachteil: Die Konfis sind in ihren Familien unterwegs. Es gibt kein Gruppenerlebnis und -ereignis mehr.

6. Konfirmation als das ganz andere Event

Der ganz andere Konfirmationsgottesdienst. Die Idee ist hier, die Konfirmation bewusst so anders zu feiern, dass es ein Erlebnis bleibt, bei dem es überhaupt nicht den Ansatz gibt, die Form mit der üblichen zu vergleichen. Also: Konfirmation im Autokino. Als Sternwanderung. Als Nachtgottesdienst am Feuer wie an St. Martin. Als Sonnenaufgangsgottesdienst auf einem großen Feld oder Bergrücken.

Vorteil: Es wird versucht, den besonderen Eventcharakter der Konfirmation zu wahren und zu transportieren.

Nachteil: Es bleibt die Frage, was bei den aktuell bestehenden Hygienevorschriften realisierbar ist.


Jeremias Treu, Pfarrer, Studienleiter für Konfirmandenarbeit
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