Ein Jahr danach: Die Stolpersteine vor dem Amt für kirchliche Dienste

Vor einem Jahr, am 17. Juli 2025, wurden vor unserem Haus in der Krummen Straße 60 drei Stolpersteine verlegt – für Leo Lewin, Elsbeth Lewin geb. Lewyn und Liselotte Lewin. Sie lebten hier, bevor die Familie durch den Nazi-Terror vertrieben wurde und sie sich in die USA retten konnten.

Das Haus, in dem die Familie Lewin einst wohnte, steht heute nicht mehr. An seiner Stelle befand sich seit den 1960er Jahren das zum denkmalgeschützten Gesamtensemble „Haus der Kirche“ gehörende Studierendenwohnheim, das nach acht Jahren Leerstand 2020 abgerissen wurde. Seit 2024 befindet sich hier das neue Bürohaus des Amts für kirchliche Dienste.

In der Mitte: Menachem Katz und seine Lebensgefährtin Laila Lucas. (Foto: Micaela Haas)

Zur Verlegung der Stolpersteine kamen Menschen aus nah und fern zusammen. Menachem Katz, Urenkel von Leo und Elsbeth Lewin, hatte die Verlegung in Auftrag gegeben und war mit seiner Lebensgefährtin gekommen. Auch Freunde der Familie und einige Nachbarn waren dabei. Die Stolperstein-Initiative begrüßte die Anwesenden und informierte über das Projekt. Danach wurde die Biografie der Familie Lewin verlesen.

Ein besonderer Moment war, als Menachem Katz eine Nachricht seiner Mutter Sherry Katz vorlas, die in den USA lebt und nicht kommen konnte. Sie wurde dann per Handy zugeschaltet und sprach selbst zu den Versammelten. In ihrem Gruß wurde deutlich, wie wichtig es für sie war, dass mit den Stolpersteinen an das Schicksal ihrer Eltern und ihrer Großmutter erinnert wird.

Am 17. Juli 2025 verlegte Stolpersteine für Leo Lewin, Elsbeth Lewin geb. Lewyn und Liselotte Lewin. (Foto: Micaela Haas)

Ein Jahr später liegen die drei Steine unverändert im Gehweg vor unserem Haus. Sie gehören zu den mittlerweile über 4.300 Stolpersteinen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und zu den über 11.600 in Berlin (Stand: Ende 2025).

Für uns als Amt für kirchliche Dienste ist das mehr als eine historische Randnotiz: Wir arbeiten heute an einem Ort, dessen Geschichte eng mit dem Schicksal der Familie Lewin verbunden ist. Die Stolpersteine vor unserer Tür sind eine tägliche Erinnerung daran – und ein triftiger Grund, gelegentlich innezuhalten.

 

Weitere Informationen

Stolpersteine in Charlottenburg-Wilmersdorf

Stolpersteine in Berlin

Stolpersteine – ein KunstDenkmal von Gunter Demnig

 

Historische Aufnahme mit der Trinitatiskirche und dem Blick in Richtung Krumme Straße / Goethestraße. (Foto: Wikimedia Commons)