#relifürsklima: Initiatorin Janine Joshi im Interview

Was als Idee begann, ist dank vieler engagierter Akteur*innen und der Zusammenarbeit mit Brot für die Welt zu einem vielfältigen Bildungskonzept gewachsen.

Inspiriert von innovativen Lösungsansätzen aus dem Globalen Süden verbindet „Reli fürs Klima“ Glaube, Klimagerechtigkeit und konkretes Handeln. Im Interview erzählt Initiatorin Janine Joshi von prägenden Erfahrungen und zeigt, wie junge Menschen für Klimagerechtigkeit begeistert und zum Handeln ermutigt werden können.

Reli fürs Klima ist mit dem Anspruch gestartet, Klimaschutz und religiöse Bildung miteinander zu verbinden. Was ist aus dieser Idee heute, 2026, geworden?

Als wir 2021 begonnen haben, wollten wir die Klimakrise stärker im Religionsunterricht verankern. Heute steht Reli fürs Klima für weit mehr:

Es ist ein handlungsorientiertes Konzept für eine Bildung, die Kinder und Jugendliche nicht nur informiert, sondern sie ermutigt, Fragen nach Gerechtigkeit, Verantwortung und einem guten Leben zu stellen und selbst handlungsfähig zu werden.

Aus Unterrichtsmaterialien sind Workshops, Begegnungen, Baumpflanzaktionen, Wettbewerbe, Klimakonzerte, ein Theaterprojekt und politische Beteiligungsformen entstanden. Besonders schön ist für mich, dass die Materialien inzwischen über die EKBO hinaus genutzt werden.

Wenn du auf die vergangenen sechs Jahre zurückblickst: Was hat sich verändert – bei dir persönlich, bei den Jugendlichen und in der Schule?

Ich habe erlebt, dass Religionsunterricht einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Klimakrise leisten kann. Denn es geht nicht nur um naturwissenschaftliche Fakten, sondern um Fragen nach Gerechtigkeit, Verantwortung, Hoffnung und unserem Zusammenleben.

Bei den Jugendlichen habe ich immer wieder erlebt, wie wichtig es ist, ihre Sorgen ernst zu nehmen und ihnen zugleich Selbstwirksamkeit zu ermöglichen. Wenn eine Klasse Bäume pflanzt, eine Petition entwickelt oder sich mit den Rechten der Natur beschäftigt, erfahren die Jugendlichen: Meine Stimme zählt. Ich kann etwas bewegen.

Du hast Reli fürs Klima ins Leben gerufen und über Jahre geleitet. Gab es einen Moment, in dem du dachtest: Genau dafür lohnt sich dieses Engagement?

Besonders berührt hat mich immer, wenn aus einer Unterrichtsfrage eigener Gestaltungswille entstanden ist: Wenn Schülerinnen und Schüler nicht nur fragen „Warum ist das so?“, sondern

„Was können wir jetzt tun?“

Auch die mehr als 5.000 gepflanzten Bäume stehen für mich dafür. Oder das Klimakonzert im Berliner Dom, bei dem Bildung, Kirche, Musik und Engagement zusammengekommen sind.

Welche Begegnung im Rahmen von Reli fürs Klima hat dich persönlich besonders geprägt?

Besonders geprägt haben mich die Begegnungen mit Menschen, die die Klimakrise unmittelbar erleben. Mich hat beeindruckt, mit welcher Kreativität und Widerstandskraft Menschen auf Veränderungen reagieren.

Du wechselst jetzt deine Stelle. Was bedeutet dieser Schritt für dich und was möchtest du aus dieser Zeit mitnehmen?

Der Abschied ist mit unterschiedlichen Gefühlen verbunden. Da ist viel Dankbarkeit für das, was entstanden ist, und für die vielen Menschen, mit denen ich arbeiten und von denen ich lernen durfte.

Besonders die Zusammenarbeit im Team war für mich ein Geschenk. Gemeinsam Ideen zu entwickeln, sich gegenseitig zu unterstützen, unterschiedliche Perspektiven einzubringen und miteinander auch durch schwierige Phasen zu gehen – das hat Reli fürs Klima geprägt und mich persönlich bereichert.

Ich nehme die Erfahrung mit, dass Ideen wachsen können, wenn Menschen an sie glauben und gemeinsam daran arbeiten. Und ich nehme die Überzeugung mit, dass Bildung Menschen nicht nur Wissen vermitteln, sondern ihnen auch zutrauen sollte, etwas zu verändern. Wenn wir Kindern Raum und Zeit geben, ihre eigenen Ideen zu entwickeln und umzusetzen, wird Bildung zu mehr als Wissensvermittlung: Sie eröffnet Handlungsräume, in denen junge Menschen erfahren können, dass sie selbst etwas bewirken und die Welt mitgestalten können.

Was muss unbedingt bleiben, damit das Herzstück von Reli fürs Klima auch in Zukunft weitergetragen wird?

 

Für mich ist das Herzstück die Verbindung von Glaube, Gerechtigkeit, globaler Perspektive und Handeln. Und es geht darum, Hoffnung zu ermöglichen, ohne die Realität schönzureden. Hoffnung entsteht für mich dort, wo Menschen erleben: Ich bin nicht allein. Meine Stimme zählt. Wir können gemeinsam etwas bewegen.

Wenn du Reli fürs Klima zum Abschied einen Satz mitgeben könntest – welcher wäre es?

Veränderung beginnt oft dort, wo Menschen den Mut haben, Fragen zu stellen und gemeinsam nach neuen Wegen zu suchen.

 

Herzlichen Dank Janine für das Gespräch, dein großes Engagement und all das, was du mit „Reli fürs Klima“ bewegt und angestoßen hast. Für deine neue Aufgabe wünschen wir dir von Herzen Gottes Segen, viel Freude und Zuversicht – und weiterhin Menschen, mit denen du Hoffnung in konkretes Handeln verwandeln kannst.

#relifürsklima Interview 2022