Was heißt eigentlich genug?
Genug zu essen. Genug Hoffnung. Genug Zukunft.
Der Klimawandel steht nicht vor der Tür – er sitzt längst mit am Tisch. Genau diese Realität greift Reli fürs Klima auf und schafft Raum im Religionsunterricht globale Gerechtigkeit zu thematisieren und Selbstwirksamkeit zu erfahren
Ernährung als Schlüsselthema
Das neue Bildungsmaterial von Reli fürs Klima rückt das Thema Ernährung in den Mittelpunkt – ein Bereich, in dem sich globale Zusammenhänge besonders anschaulich vermitteln lassen. Im Zentrum steht der Ansatz der regenerativen Schule von SCOPE Zambia, einer von Brot für die Welt unterstützten Partnerorganisation. SCOPE, kurz für „Schools, Colleges and Communities for Permaculture“, verwandelt Schulen in Orte ganzheitlichen Lernens, indem sie sich an den Prinzipien der Permakultur orientiert.
Am 17. Februar eröffneten Kornelia Freier (Referentin für Schulpädagogik bei Brot für die Welt) und Dr. Petra Kohts (Leiterin des Referats Globales Lernen in der Bildungsabteilung von Brot für die Welt) offiziell die Vorstellung des aktuellen Bildungsmaterials von Reli fürs Klima.
Starke Impulse zur „Ethik des Genug“
Im theologischen Impuls eröffnete Janine Joshi (Leiterin von Reli fürs Klima) vielfältige Perspektiven auf eine „Ethik des Genug“. Damit bot sie gleichsam einen Vorgeschmack auf das neue Bildungsmaterial, das auch die Frage nach Suffizienz thematisiert – was eigentlich brauchen wir, um gut zu leben?
Globale Zusammenhänge – konkret und bewegend
Stig Tanzmann, (Referent für Landwirtschaft bei Brot für die Welt) gab den Teilnehmenden fundierte Einblicke in die globalen Zusammenhänge und Herausforderungen im Ernährungsbereich: Welche Auswirkungen hat der Einsatz von Stickstoff als Düngemittel auf die Landflächen und deren Nutzung, die Menschen sowie das Klima – und welche nachhaltigen Alternativen gibt es beispielsweise mit der Permakultur, welche Beispiele für einen ebenso sozialen wie ökologischen Wandel machen Mut?
Die Zahlen und Fakten bekamen durch Careen Samatemba (weltwärts Freiwillige bei Brot für die Welt) ein Gesicht. Ihre Worte gingen unter die Haut:
„Der Klimawandel ist für mich kein fernes oder abstraktes Thema. Er ist gelebte Realität und verändert das Leben in Sambia grundlegend. Durch die Dürre 2024 war ich selbst in Gefahr, meinen Abschluss nicht finanzieren zu können, weil mein Vater, dessen Lebensunterhalt von der Landwirtschaft abhängt, die Studiengebühren nicht bezahlen konnte.“
Ihre persönliche Geschichte machte die globalen Zusammenhänge und Ungerechtigkeiten für die Teilnehmenden greifbar.
Live nach Sambia: Lernen, das Wurzeln schlägt
Per Live-Schaltung interviewte Jule Froitzheim (weltwärts Freiwillige 2024/2025 bei SCOPE Zambia) Clarence Mwangala von SCOPE Zambia. Eindrücklich schilderte sie, wofür SCOPE steht und wie die Organisation Menschen dabei unterstützt, ihr Land kreativ und nachhaltig zu nutzen, um ganzheitliche Entwicklung zu fördern. Schulen werden so zu lebendigen Lernorten, an denen Schüler*innen Verantwortung übernehmen und gesellschaftlichen Wandel aktiv mitgestalten. Gemeinsam mit den Familien und Gemeinden werden vorhandene Flächen vielfältig genutzt, um langfristig eine stabile Versorgung mit nährstoffreichen Lebensmitteln zu sichern und Zukunftsperspektiven zu schaffen.
Hier zeigt sich: Permakultur bedeutet nicht nur nachhaltige Landwirtschaft. Sie ist ein Lebensprinzip und bedeutet Beziehungsarbeit – zwischen Menschen und Natur, zwischen Generationen und zwischen globalem Norden und Süden.
Vom Wissen ins Handeln
Nach den Impulsen wurde es praktisch: In Workshops für Grundschule sowie Sekundarstufe I und II erprobten die Teilnehmenden das Material handlungsorientiert. Sie diskutierten, planten, reflektierten.
Denn Bildung für nachhaltige Entwicklung lebt davon, dass sie nicht beim Wissen stehen bleibt.
Gemeinschaft, die trägt
Zum Abschluss durfte ein nachhaltiges Essen nicht fehlen. In entspannter Atmosphäre kamen Lehrkräfte sowie Vertreter*innen aus Kirche, Theater und Entwicklungsorganisationen ins Gespräch. Es wurde diskutiert, gelacht, weitergedacht – und vernetzt.
„Genug für alle“ ist dabei mehr als ein Titel. Es ist eine Vision. Wenn der Religionsunterricht zu einem Ort wird, an dem diese Vision praktisch erfahrbar wird – dann wächst Zukunft.
