Theo­lo­gie geschlech­ter­be­wusst

Abschluss­fei­er des Fern­stu­di­en­kur­ses Theo­lo­gie geschlech­ter­be­wusst

Auf­bruch in Viel­falt“: Abschluss­fei­er des Fern­stu­di­en­kur­ses Theo­lo­gie geschlech­ter­be­wusst – kon­tex­tu­ell neu den­ken am 23. Sep­tem­ber in Mag­de­burg

Auf­bruch in Viel­falt“ – unter die­sem Mot­to fand am Sams­tag ein fei­er­li­cher Abschluss­got­tes­dienst mit anschlie­ßen­dem Emp­fang im Rem­ter des Doms zu Mag­de­burg statt. Fünf­zehn Frau­en aus der Evan­ge­li­schen Kir­che Berlin-Bran­den­burg-schle­si­sche Ober­lau­sitz, der Evan­ge­li­schen Kir­che in Mit­tel­deutsch­land und der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che Sach­sen hat­ten den Fern­stu­di­en­kurs „Theo­lo­gie geschlech­ter­be­wusst – kon­tex­tu­ell neu den­ken“ abge­schlos­sen, der über ein­ein­halb Jah­re ging. Der Kurs fand erst­mals mit den neu­en, über­ar­bei­te­ten Stu­di­en­brie­fen und unter neu­em Namen statt. Unter dem Titel „Fern­stu­di­um femi­nis­ti­sche Theo­lo­gie“ lief er seit 2004 in vie­len Lan­des­kir­chen der EKD. Neue­re Ent­wick­lun­gen in den Gen­der Stu­dies und der kri­ti­schen Män­ner­for­schung wur­den in das Cur­ri­cu­lum auf­ge­nom­men, so z.B. die Hin­ter­fra­gung der hete­ro­se­xu­el­len, binä­ren Zuord­nung der Geschlech­ter durch quee­re Theolog_innen oder die Aus­ein­an­der­set­zung mit Männ­lich­keits­kon­struk­tio­nen in der Anti­ke und der Gegen­wart.

Das Ende des Kur­ses mar­kiert gleich­zei­tig einen Anfang, denn vie­le der Teil­neh­me­rin­nen möch­ten das Gelern­te in ihre Kir­che ein­brin­gen, Impul­se set­zen und Kir­che so behut­sam, aber ste­tig in Rich­tung Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit ver­än­dern. Die Stär­kung und Ermu­ti­gung dafür gab es u.a. in der Pre­digt von Lan­des­bi­schö­fin der EKM Ilse Jun­ker­mann, die die Pre­digt zu Röm 12,1-11 hielt. Sie mach­te deut­lich, dass die Bibel in gerech­ter Spra­che, die im Fern­stu­di­um inten­siv behan­delt wur­de, Tex­te neu erschlie­ßen und Men­schen Zugän­ge zur Bibel ermög­li­chen kann. Es mache einen Unter­schied, ob man den Satz aus Röm 12,1 so höre: „Ich ermu­ti­ge Euch, Geschwis­ter“ (Bibel in gerech­ter Spra­che) oder so: „Ich ermah­ne euch, Brü­der und Schwes­tern“ (Luther 2017). Es mache eine Unter­schied, ob man „sei­nen Leib als ein Opfer hin­ge­ben“ sol­le (Luther 2017) oder ob man sei­nen Kör­per „als leben­di­ge und hei­li­ge Gabe dar­brin­gen“ soll (Bibel in gerech­ter Spra­che). Auch bei den Got­tes­bil­dern sei es wich­tig, alte Ver­krus­tun­gen zu lösen und sich einer Viel­falt zu öff­nen. Dazu leis­te das Fern­stu­di­um einen wich­ti­gen Bei­trag, indem es Men­schen sprach­fä­hig in Bezug auf den eige­nen Glau­ben mache.

Im Got­tes­dienst brach­ten Teil­neh­me­rin­nen auch zum Aus­druck, in wel­cher Wei­se das Fern­stu­di­um sie inspi­riert hat. Eine sag­te: „Im Lau­fe der letz­ten Jah­re habe ich mit mei­nen christ­li­chen Prä­gun­gen geha­dert. Die Lebens­rea­li­tä­ten und Glau­bens­grund­sät­ze sind immer wei­ter aus­ein­an­der­ge­drif­tet. Was als unver­rück­bar galt, habe ich begon­nen anzu­zwei­feln. Vie­les, was mir ver­traut war, kann ich nicht mehr als mei­ne Religion/meinen Glau­ben ver­tre­ten. War­um und wie aber kann ich wei­ter Chris­tin blei­ben? Das Fern­stu­di­um hat mir das Ken­nen­ler­nen von Men­schen und Theo­lo­gi­en ermög­licht mit deren viel­fäl­ti­gen Per­spek­ti­ven es mir gelingt, mei­nen Glau­ben neu zu gestal­ten und zu leben.“ Eine ande­re sag­te: „Mir hat es im Fern­stu­di­um und weit dar­über hin­aus die Bibel in gerech­ter Spra­che beson­ders ange­tan. In ihr habe eine Fül­le von Anre­gun­gen gefun­den und den­ke, es geht um Befrei­ung, Leben, Gerech­tig­keit und nicht um ein Kon­ser­vie­ren von Ver­gan­ge­nem.“

Beim anschlie­ßen­den Emp­fang wur­den den Teil­neh­me­rin­nen nach Gruß­wor­ten vom Direk­tor des Amtes für kirch­li­che Diens­te in der EKBO, Mat­thi­as Spenn, von Stu­di­en­lei­te­rin im EKD-Zen­trum für Gen­der­fra­gen in Theo­lo­gie und Kir­che, Ellen Rad­tke und von der Vor­sit­zen­den des Bei­rats der Frau­en­ar­beit in der EKM, Bet­ti­na Krau­se, die stell­ver­tre­tend auch für den Vor­stand der Frau­en in der EKBO sprach, die Zer­ti­fi­ka­te und Teil­nah­me­be­schei­ni­gun­gen über­reicht. Die Teil­neh­me­rin­nen hat­ten im Selbst­stu­di­um die sie­ben Stu­di­en­brie­fe zu zen­tra­len The­men wie Bibel, Gott, Chris­tus Jesus, Kir­che, Spi­ri­tua­li­tät und Ethik gele­sen und sich zum Aus­tausch in regio­na­len Grup­pen getrof­fen. Auf sie­ben Stu­di­en­wo­chen­en­den wur­den die The­men mit Unter­stüt­zung durch ein­ge­la­de­nen Fachreferent_innen ver­tieft. Die Grup­pe beschäf­tig­te sich in einer leben­di­gen Lern­ge­mein­schaft u.a. inten­siv mit der Bibel in gerech­ter Spra­che, mit Got­tes­bil­dern in Viel­falt, mit Aspek­ten der Männ­lich­keit von Jesus und Pau­lus, mit der Visi­on von einer inklu­si­ven Kir­che, mit der Spi­ri­tua­li­tät in den Pil­ger­psal­men und mit Sor­ge­ethik als Wirt­schafts­ethik.

Zwölf Teil­neh­me­rin­nen fer­tig­ten am Ende des Kur­ses ein eige­nes Werk­stück an, in dem sie einem selbst gewähl­ten The­ma noch ein­mal beson­ders nach­gin­gen. Die Art und Wei­se war frei und so ent­stand eine beein­dru­cken­de Viel­falt von Werk­stü­cken, man­che als Bil­der oder Kunst­in­stal­la­tio­nen, man­che in Schrift­form. Die Werk­stü­cke konn­ten in einer eigens für die­sen Anlass auf­ge­bau­ten Aus­stel­lung ange­schaut und auch aus­pro­biert wer­den, so z.B. ein Memo-Spiel zu Got­tes­bil­dern oder eine Segens­man­tel für eine Trau­ung in geschlech­ter­ge­rech­ter Spra­che. Die Besucher_innen konn­ten eine leben­di­ge „ruach“-Figur (hei­li­ge Geist­kraft), Got­tes­dienst­ent­wür­fe oder auch einen Bibel­le­se­kurs in gerech­ter Spra­che bestau­nen. In Kür­ze wird es eine Doku­men­ta­ti­on aller Werk­stü­cke auf der Web­sei­te der AKD-Frau­en­ar­beit geben.

Ein neu­er Durch­gang des Fern­stu­di­ums „Theo­lo­gie geschlech­ter­be­wusst – kon­tex­tu­ell neu den­ken“ ist für 2019/20 geplant.

Text: Ire­ne Pabst, Pro­jekt­stel­le Fern­stu­di­um Theo­lo­gie geschlech­ter­be­wusst – kon­tex­tu­ell neu den­ken, AKD in der EKBO, Frau­en­ar­beit
Fotos: Susan­ne Jor­dan, Berlin


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