Prädikant*innen-Fortbildung der EKBO : Den Finger in die Wunde legen – von der Glaubenskunst des Zweifelns

Datum: 29.04.17

Den Finger in die Wunde legen – von der Glaubenskunst des Zweifelns
Lektüren der Erzählung vom sog. ungläubigen Thomas (Joh 20,24–29)

Im Zweifelsfall: bitte berühren! – So lässt sich die Einladung des johanneischen Christus an den Jünger Thomas auf den Punkt bringen. Dessen Bedürfnis, mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Händen tasten zu dürfen, also eine eigene sinnliche, leibhaftige Erfahrung mit dem auferweckten Gekreuzigten zu machen, anstatt allein dem Wort anderer Glauben zu schenken, kritisiert der Auferstandene mit keinem Wort, sondern gibt ihm statt.
Thomas darf und soll den Finger in die Wunde legen! Er muss seine Zweifel nicht unterdrücken, sondern darf ihnen nachgeben und nachgehen. Glauben wollen und können steht nicht im Gegensatz zum Zweifeln. Zweifel ist nicht per se Zeichen von Unglauben. Vielmehr gibt es, worauf besonders der jüdische Aphoristiker Elazar Benyoëtz aufmerksam macht, eine besondere Nähe, geradezu eine intime Beziehung zwischen Glaube und Zweifel: «Mit dem Glauben selbst / ist nur der Zweifel intim», denn «Der Zweifel ist ein Abweichen, kein Ausweichen.»
Der französisch-schweizerische Reformationstheologe Sebastian Castellio (1515–1563) hat sogar eine «Kunst des Zweifelns» gelehrt – gegen allzu bornierte oder gar fanatische Glaubensüberzeugungen.
Umgangssprachlich sagen wir bisweilen, dass etwas «zweifelsfrei» oder «zweifellos» sei. Vielleicht ist es an der Zeit, Zweifelsfreiheit nicht primär als Freiheit vom Zweifel, sondern als Freiheit zum Zweifeln zu verstehen und die falsche Antithese von Glaube und Zweifel ebenso hinter sich zu lassen wie den vermeintlichen Gegensatz von Glauben und sinnlicher Wahrnehmung, wenn denn auch unser Glaube nicht nur ein intellektueller Akt, sondern eine Wahrnehmung mit allen Sinnen ist.
Die Fortbildung beschäftigt sich – in dieser thematischen Zuspitzung – mit der Ostererzählung von Joh 20,24–29.
Thomas hat als der ungläubige, zweifelnde Jünger eine schlechte Presse. Setzen wir seinen Zweifel und sein Bedürfnis nach leibhaftiger Nähe zum Auferweckten ins Recht! Neben einem close reading der biblischen Erzählung, mit einem Seitenblick auf die Maria Magdalena-Erzählung in Joh 20,1–2.11–18 (Ist es eine Gegengeschichte?), soll es auch um die Wirkungsgeschichte der Thomas-Erzählung in Kirche, Theologie und Kunst gehen.
Zur Vorbereitung empfiehlt sich eine gründliche Lektüre des ganzen Kapitels Joh 20 und das Studium eines Kommentars zur Thomas-Erzählung.
Jede_r Teilnehmer_in der Fortbildung möge die Kopie einer ikonographischen Inszenierung von Joh 20,24–29 mitbringen.
Wie schon bei den letzten Fortbildungen gibt es auch dieses Mal am Sonntagmorgen einen Gottesdienst, in dem Joh 20,24–29 Predigttext sein wird und in den liturgische Elemente, die in der Fortbildung erarbeitet werden, Eingang finden können.
Er findet am 30. April um 10 Uhr in der Sophienkirche, Große Hamburger Straße 29/30, 10115 Berlin statt.
Dort ist seit dem Sommer des vergangenen Jahres Dr. Christine Schlund Pfarrerin, die im KFU als NT-Dozentin wirkt.
Zeitnah zur Fortbildung erhalten alle Angemeldeten ein detailliertes Programm.

Leitung: Prof. Dr. Magdalene L. Frettlöh/Universität Bern, Dr. Ilsabe Alpermann

Zielgruppe: PrädikantInnen, PrädikantInnen aus anderen Landeskirchen der EKBO sind herzlich willkommen.

Teilnahmebeitrag: 15,00€

Termin: Samstag, 29. April 2017,  10.00 – 17.00 Uhr

Veranstaltungsort: Amt für kirchliche Dienste, Goethestr. 26-30, 10625 Berlin

Kontakt und Anmeldung: Ariane Usche, Sekretariat, Telefon: 030 3191-215, E-Mail: gemeinde@akd-ekbo.de

Anmeldung bis zum 12.April 2017

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